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Eine Frage der Gene? - Ernährungsforscher suchen nach Interaktionen zwischen Lebensstil und genetischen Risiken für Diabetes

Süße Leidenschaft Zucker. Doch wer ihn allzu gern verspeist, erhöht damit sein Diabetes-Risiko. Inwieweit allerdings auch die Gene die Wirkung der Ernährung bei der Entstehung von Altersdiabetes beeinflussen, wird derzeit erforscht. Foto: freshidea/fotolia.com.

Übergewicht, Bewegungsmangel, falsche Ernährung – diese Risikofaktoren für Diabetes sind gut bekannt. Doch es gibt auch Risiken, die der Mensch schlecht beeinflussen kann. Sie liegen in unseren Genen. Forscher untersuchen, ob genetische Eigenschaften die Auswirkungen des Lebensstils auf das Diabetes-Risiko verändern.

Es ist weltweit eines der größten wissenschaftlichen Projekte unter jenen, die sich mit unserer Ernährung und deren Auswirkungen auf die Gesundheit befassen: In der sogenannten EPIC-Studie untersuchen Forscher seit Mitte der 1990er-Jahre an über 500.000 Probanden aus ganz Europa, wie Ernährung das Entstehen von Krebs und anderen chronischen Erkrankungen beeinflusst. In den Studienzentren, zu denen Potsdam gehört, befassen sich Ernährungsepidemiologen seit 2006 in einem Teilprojekt, der EPIC-InterActStudie, mit einer Krankheit, die weltweit auf dem Vormarsch ist: Diabetes.
„Es geht uns darum, Wechselwirkungen zwischen Ernährung und genetischer Veranlagung als Risikofaktoren für den Typ-2-Diabetes zu identifizieren“, sagt Matthias Schulze, Leiter der Abteilung Molekulare Epidemiologie am Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam Rehbrücke und zugleich Professor am Institut für Ernährungswissenschaft der Uni Potsdam. Diese auch als Altersdiabetes bekannte Erkrankung tritt meist im fortgeschrittenen Alter auf. Allerdings häufen sich in den letzten Jahren auch Krankheitsfäl le von jungen Menschen. Die Ursachen sind bekannt – viele Menschen bewegen sich zu wenig und essen zu ungesund. Die Potsdamer Ernährungsforscher berücksichtigen nun noch einen weiteren Aspekt: den Einfluss der Gene auf die Auswirkungen des Lebensstils.
Die Daten, auf die die Forscher dabei zugreifen können, sind umfangreich. Von den rund 500.000 EPIC-Probanden entwickelten in den Nachbeobachtungsjahren mehr als 12.000 Diabetes. Nun ermitteln die Forscher, ob und wie sich deren Erbgut auf das Diabetesrisiko im Kontext der Ernährung auswirkt. Im Fokus stehen Genmutationen, die beeinflussen, wie bestimmte Nahrungsinhaltsstoffe im Körper verarbeitet werden. Es geht um die Frage, ob Menschen aufgrund ihrer genetischen Anlagen ein höheres oder geringeres Krankheitsrisiko besitzen.
Unter Beobachtung steht dabei etwa eine Gruppe von Hormonen, die von der Darmschleimhaut gebildet und ausgeschüttet werden. Inkretine wurden bereits in den 1960er Jahren bekannt, als Mediziner eine verblüffende Entdeckung machten: Patienten, die eine intravenöse Gabe von Glucose erhielten, produzierten viel weniger Insulin als jene, die die gleiche Menge Zucker mit der Nahrung aufnahmen. Denn die Zuckermoleküle aktivierten im Darm Hormone des Inkretin-Komplexes, die wiederum die Insulin-Ausschüttung anregten. Ein Prozess, der auch die Entstehung von Diabetes beeinflusst.
„Es gibt Hinweise darauf, dass bestimmte Lebensmittel – wie etwa Vollkorn – diese Hormone besonders anregen und damit auch die Insulinproduktion steuern“, erklärt Schulze. Allgemein senken Vollkornprodukte das Diabetesrisiko. Bei Menschen mit Mutationen im Inkretin-System scheint sich diese positive Wirkung jedoch abzuschwächen, wie die Forscher bei vorangegangenen Untersuchungen herausfanden. Bei Kaffee beobachteten sie Gegensätzliches. Auch er beeinflusst das Inkretin-System. Wer viel Kaffee trinkt, senkt sein Diabetes-Risiko. Mutationen in Genen des Inkretin-Komplexes steigerten laut Studie diesen positiven Effekt.
Unabhängig von ihrer genetischen Veranlagung, an Diabetes zu erkranken, profitierten alle Menschen von einer mediterranen Diät mit viel Gemüse, Obst und Fisch, aber wenig rotem Fleisch, betont Schulze. Gerade Letzteres ist bekannt dafür, das Diabetes-Risiko zu erhöhen. Diesen Zusammenhang nehmen die Potsdamer Wissenschaftler derzeit genauer unter die Lupe. „Wir nehmen an, dass hämgebundenes Eisen für die Wirkung teilweise verantwortlich ist“, erklärt Schulze. Und vermutlich sind auch hier bestimmte Genvarianten beteiligt, die das Risiko für einige Menschen erhö- hen oder auch verringern.
Dennoch rät Matthias Schulze davon ab, den Genen zu viel Bedeutung beizumessen: „Es gibt bislang recht wenige Belege dafür, dass Unterschiede in der genetischen Veranlagung die Wirkung der Ernährung in der Entstehung von Altersdiabetes maßgebend beeinflussen.“ Stattdessen komme es viel mehr auf das eigene Verhalten an. Wer sich viel bewegt, ein gesundes Körpergewicht hat, nicht raucht, wenig rotes Fleisch isst und Vollkornprodukte bevorzugt, hat gute Chancen, gesund zu bleiben.

Text: Heike Kampe
Online gestellt: Alina Grünky
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredaktion@uni-potsdam.nomorespam.de

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